ich wünsche mir

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[foto via fulmini & saette]

ich wünsche mir ein schneckenhaus.

das immer bei mir ist, zu jeder zeit und an jedem ort wo ich bin. unauffällig sollte es sein, am besten unsichtbar. auch leicht, aber trotzdem schwer genug dass ich es spüre. so dass es mir bewusst bleibt und mir die sicherheit gibt, mir in jeder situation zur verfügung zu stehen.

das licht von außen sollte durch die schale nur ganz gedämpft nach innen dringen, dämmerig in warmen farbtönen. und still sollte es darinnen sein, bis auf ein sanftes rauschen, dass tief aus dem innern der spiralförmigen windungen kommt, so wie aus den großen muscheln am meer.

hitzebeständig sollte es sein, damit ich es auch in fiebrig glühendem zustand aufsuchen kann. gleichzeitig sollte es unempfindlich gegen niedrige temperaturen sein, so dass es die zeiten meiner starren kälte ohne schäden übersteht.

es sollte die zeit anhalten für die momente, in denen ich mich darin zurückziehe. damit sich niemand mehr darum sorgen machen muss, dass ich verglühe, wenn sich in mir mal wieder ein feuer aus tausend lodernden flammen ausbreitet. damit niemand mehr weinend von mir abschied nimmt, weil er denkt, ich sei für immer erfroren. damit ich während meines aufenthalts im schneckenhaus keine der schwarzen regenwolken verpasse, die über meinen horizont ziehen, damit mir keiner der sonnenstrahlen entgeht, der mir zublinzeln will.

und es sollte nur platz für einen einzigen bewohner haben. damit ich nie in die gefahr komme, jemanden darin einzusperren, mich von jemandem dort festhalten zu lassen – oder freiwillig darin hängen zu bleiben.

hauptsache aufwärts?

es ist nicht ungefährlich, gleich jede treppe hochzurennen. sicher ist es schön wenn es aufwärts geht, wenn von oben schon das licht entgegenleuchtet und ich endlich eine möglichkeit bekomme aus dem dunklen kellergeschoss herauszukommen. aber treppen können auch trügerisch sein, wie diese hier aus unserem firmengebäude. wer nicht genau hinsieht, für den kann es ziemlich unangenehm werden (vielleicht steht deswegen die pflanze auf der treppe, um so verpeilte typen wie mich vor beulen am kopf zu bewahren). und dann noch ohne geländer…

und ich weiß, dass in meinem leben noch viel mehr von solchen treppen herumstehen. deren auswirkungen sich nicht auf eine kleine beule begrenzen, die deutlich gefährlicher sind als diese hier.

es sollte mir nicht so wichtig sein, dass es aufwärts geht. wichtiger ist für mich, wohin es geht. lieber erstmal auf dem gleichen level bleiben, als in eine richtung davonschweben, die mit wenig aufwand eindeutig als falsch zu identifizieren ist. sicher müssen manche treppen riskiert werden, wo nicht gleich das ende ersichtlich ist. aber der blick nach oben vor der entscheidung zum aufstieg ist oft aufschlußreich. mehr, als mir oft bewusst ist.

wie ein netz

freundschaft sollte wie ein netz sein. wenn ich falle, muss ich mich darauf verlassen können und nicht kontrollieren müssen, ob auch ja alle seile fest sind.

[waldelfe]

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[foto via marcella bona]

doch was ist, wenn das netz nicht mit der notwendigen sorgfalt behandelt wurde, wenn die notwendige pflege der seile unterblieben ist? ist die hoffnung dann überhaupt noch berechtigt, dass dieses netz mich halten könne?

ich ertappe mich dabei, mein netz zu kontrollieren. warum? vielleicht weil mir klar geworden ist, wie begrenzt meine belastbarkeit als seil in anderen netzen ist, wie schnell meine fasern unter belastung zu reißen drohen, wie viel pflege ich selber brauche um belastbar zu bleiben? oder spüre ich instinktiv, dass mein fallen immer wahrscheinlicher wird und ich das netz dringend brauchen werde?

während mein blick über die seile und knoten wandert, wird mir bewusst, wie oft mein leben schon von diesem netz aufgefangen wurde, dass es mich schon oft vor tödlichen verletzungen bewahrt hat. und gleichzeitig muss ich mir vorhalten, wie wenig ich dafür getan habe, dieses netz intakt zu halten. es sollte mich nicht wundern, dass nun manche seile unter dem griff meiner hand zu staub zerfallen. die farben sind ausgeblichen, die fasern lösen sich auf, die knoten halten nicht mehr.

es macht mir hoffnung, dass es trotzdem auch neue seile gibt, durch die das netz verstärkt wird. auch wenn es eher fäden als seile sind, noch dünn und schwach, aber mit der schwachen hoffnung verknüpft, sich vielleicht irgendwann zu tauen zu entwickeln, die jede belastung überstehen könnten. vorausgesetzt es gelingt mir, mit diesen seilen besser umzugehen. so, dass ich die berechtigte hoffnung haben kann, dass das netz auch ohne kontrolle in der lage sein wird, meinen fall aufzufangen.

wissen und doch vertrauen

vielleicht ist das einer der bedeutendsten fehler in meinem leben, dass ich mich immer wieder dazu entschieden habe, an mich selbst zu glauben und mir selbst zu vertrauen. und so oft habe ich das schon als guten rat gehört, als tröstendes wort.. glaube an dich selbst, vertraue dir selbst, alles was du brauchst ist in dir. wie ironisch, wie sarkastisch klingen solche worte, wenn man sich mal in ein paar momenten des lebens wirklich selbst kennenlernen konnte. ich? an diesen menschen soll ich glauben? diesem menschen soll ich vertrauen schenken? bin ich ehrlich zu mir selbst, dann weiß ich dass es keinen grund für irgendjemanden gibt mir zu vertrauen oder an mich zu glauben, am wenigsten für mich selbst.

und wäre es irgendjemand, der mir trotzdem vertrauen schenkt, dann würde ich ihn für naiv halten, denken, er kennt mich noch nicht gut genug. mich kennen, und mir trotzdem vertrauen?

du weißt alles über mich

ich weiß nicht alles über dich.
aber du weißt alles über mich,
meine probleme und ihre lösungen.

ich liebe dich nicht mit allen fasern meines herzens.
aber du liebst mich so sehr,
dass ich deine gegenwart jederzeit fühlen kann.

ich vertraue dir manchmal nicht.
aber du hast mir vertraut
und mich zum hüter meines bruders gemacht.

ich habe nur einen begrenzten glauben.
aber deine gnade ist grenzenlos.

herr jesus, ich danke dir,
dass du mich so gut kennst
und dich mir bekanntgemacht hast.

ich danke dir,
weil ich deine gegenwart überall fühlen kann.
nimm mich als deinen demütigen diener an.

amen.

[johnson gnanabaranem]

(danke für das gedicht, die idee war voll lieb)